Mäuse, Lockdown & absolute Stille

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Foto von Monique Laats von Pexels

Mäuse, Lockdown & absolute Stille

Absolute Stille ist in unserer Gesellschaft – selbst in Lockdown-Zeiten – ein rares Gut geworden. Und häufig ist sie auch gar nicht gewünscht. Doch warum ist das so? Stille ist nicht produktiv, es passiert nichts in der Stille.

In unserer sich ständig optimierenden digitalen Gesellschaft, möchten wir in Bewegung bleiben. Sowohl geistig als auch körperlich und so nutzen viele Menschen jede freie Minute, um Nachrichten zu lesen, Social Media zu durchforsten, eigenes Self-Marketing auf Instagram & Co zu fördern, ein Buch zu lesen oder einen Podcast zu hören. Auf Sie trifft nichts dergleichen zu? Dann sind Sie vielleicht Jemand, der freie Zeit nutzt, um schnell mal ein Telefonat zu führen,  auf die Schnelle eine Besorgung im Onlineshop erledigt, eine private E-Mail verschickt,  Sport treibt oder einfach zur Entspannung in einem Handyspiel oder im Fernsehprogramm versinkt. Sie sehen: Die Liste der Tätigkeiten, die wir in einer „freien“ Minute mal eben nebenbei machen, ist lang.

Es scheint, als möchten wir förmlich keine Minute unseres Lebens ungenutzt lassen um auf dem Laufenden zu bleiben, etwas dazu zu lernen, fit zu werden und uns  gesellschaftlich „im Spiel“ zu halten.

Diese Selbstoptimierung hat längst auch Jugendliche und Kinder erreicht. Noch vor der Pandemie war der Wochenkalender bei vielen Kindern komplett ausgebucht. Zwischen den Fußball-, Handball- oder Volleyballtrainings haben die Kinder beispielsweise Nachhilfe erhalten, ein Instrument erlernt oder sich einfach mit Freunden verabredet, um gemeinsame Zeit zu verbringen.

Die vergangenen zwölf Monate haben bei uns allen, inklusive der Kinder & Jugendlichen, viele Aktivitäten unmöglich gemacht und gerade im motorischen Bereich, einige (hoffentlich reparable) Einbußen zu Tage getragen.

Auf der anderen Seite der Medaille hat die Zeit der Pandemie viele Menschen zu einer ungewollten Ruhe gebracht. Zu weniger oder gar keine Aktivitäten. Das kann –  wie immer im Leben – sowohl Fluch als auch Segen sein. Lassen Sie uns gemeinsam die „Segen-Seite“ anschauen. Ganz nach dem Motto „Was ist das Gute am Schlechten?“.

Das ist auch ein Grund dafür, dass wir qualitativ viel besser schlafen, wenn um uns herum eine nächtliche Stille herrscht.

Viele Menschen berichten über mehr Ruhe und weniger Freizeitstress in der Corona-Zeit. Zugegeben: Die „erzwungene“ Ruhe, wurde mancherorts schnell durch andere (digitale) Aktivitäten ersetzt.  Netflix & Co., wie auch der heimische Computer haben hier und da sicherlich höhere Nutzerzeiten erzielt als ja zuvor. Es gibt aber auch Positives zu berichten. Vielen Menschen haben die eigene Umgebung neu entdeckt und sind viel in der Natur unterwegs. Etwa beim Radfahren, Spazieren oder Wandern. Dabei entdecken Sie die Ruhe neu und vielleicht ab und an auch absolute Stille. Stille ist dann, wenn akustische Reize abgeschaltet bleiben. Und: Stille ist besonders wertvoll.

Dennoch wird Stille oft gemieden. Stille erscheint wenig erstrebenswert. Geradezu langweilig. Es gibt Menschen, die nicht gut ertragen können, wenn während eines Gesprächs ein stiller Moment auftritt. Sie fühlen sich unwohl. Besonders, wenn dies in Dialogen mit eher unbekannten Menschen (bspw. beruflich) aufritt. Aber gerade Stille – und viele Experimente & Studien belegen das – ist besonders gut geeignet, um tiefe Entspannung zu erreichen und Regeneration zu fördern.

Wenn es gelingt, akustische Reize auch tagsüber immer wieder ausschalten, dann regeneriert sich unser Organismus viel besser, unsere Gedanken nehmen freien Lauf und mittelfristig wird der Cortex im Bereich des Stirnhirns dicker und somit besser ausgebildet. Diese Region des Gehirns ist für die Kontrolle des eigenen Handelns und unsere Entscheidungen wichtig. Gleichzeitig steigt nach stillen Momenten unsere Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung und auch die Kreativität. Wenn das nicht ausreichende Gründe sind, um die Stille neu zu entdecken? Ich meine: Ja!

Nun trägt dieser Blogbeitrag die Überschrift: Mäuse, Lockdown & absolute Stille. Und Sie fragen sich vielleicht zu Recht: Was haben die Mäuse mit dem ganzen Thema zu tun?

In einem neurologischen Experiment hat man eine Gruppe von Mäusen für jeweils 2 Stunden pro Tag einer Dauerbeschallung ausgesetzt und eine andere Gruppe akustischer Deprivation – sprich: absoluter Stille. Bereits nach sieben Tagen wiesen nur die Mäuse mehr Nervenzellen auf, die zwei Stunden pro Tag von jeglichen Geräuschen abgeschirmt waren. Die Wissenschaftler haben noch nicht den Nachweis erbracht, dass diese Effekte auch bei Menschen erreicht werden. Aber weswegen sollte unser Gehirn sehr anders reagieren?

„In der Ruhe liegt die Kraft“ – sagt ein Sprichwort. Und dafür gibt es eindeutig viele wissenschaftliche Belege. Wenn dabei auch die Nervenzellen schneller wachsen, dann ist die Zeit der Stille sogar eine sehr produktive Zeit. Stille hilft uns, gesund an Körper und Geist zu bleiben.

Was können Sie tun, um die Stille neu zu entdecken und diese („produktiv“) zu genießen? In der Freizeit ist es einfacher, aber beruflich scheint es oft eine Herausforderung zu sein.

Ich empfehle für den beruflichen Alltag so genannte „Mini-Pausen“. Das sind kurze Übungen, die in der Stille geübt werden und die Ihre eigene innere Stille fördern:

Wie das funktionieren kann? Hier zwei erste Mini-Übungen zum Nachmachen:

  1. Ein stiller Moment – Setzen Sie sich bequem hin. Lehnen Sie sich zurück, schalten Sie alle akustischen Reize aus, schließen Sie die Augen um auch visuelle Reize abzuschalten. In dieser angenehmen Position achten Sie eine Minute lang auf Ihren Atem. Sie können alternativ Ihre Atemzüge zählen und zwar bis 16. Die meisten Leute haben ca. 14 bis 16 Atemzüge pro Minute, so dass Ihr stiller Moment etwa eine Minute dauern wird. Sie können diese Mini-Pause natürlich individuell länger machen, aber bitte bleiben Sie mindestens eine Minute dabei.
  2. Ein Mini-Urlaub – Schirmen Sie sich so weit es geht von jeglichen akustischen Reizen ab, setzen Sie sich auf die Kante Ihres Stuhls, strecken Sie die Beine aus und die Arme in die Höhe. Schließen Sie Ihre Augen und dehnen Sie sich gemütlich, so dass Ihr Rücken leicht gestreckt und dadurch besser durchblutet wird. Denken Sie dabei an Ihren nächsten Urlaub (der irgendwann kommen wird) oder an den Letzten (oder an einen schönen Moment an den Sie sich sehr gerne erinnern). Genießen Sie die Gedanken und die Dehnungsübung in der Stille mindestens eine Minute lang.

Das sind die ersten Beispiele. Bald stelle ich kurze Videos mit Mini-Übungen auch auf meiner Website zur Verfügung. Lassen Sie sich überraschen und inspirieren.

Ob Ihr „Weg zur Ruhe“ über die Mini-Übungen führt, oder Sie ihn für sich auf anderen Wegen finden.  Ich wünsche Ihnen in jedem Fall viele Momente der Stille – denn Stille ist sehr lohnenswert!

Bleiben Sie gesund und zuversichtlich.

Ludwika